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Geschichten

Martin Rajna startet in ein neues Abenteuer

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Martin Rajna startet in ein neues Abenteuer

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Diese Saison ist für uns alle ein besonderer Meilenstein, denn wir heißen unseren neuen Chefdirigenten Martin Rajna willkommen. «Eine herausragende künstlerische Persönlichkeit, die sowohl auf den Erfolg der vergangenen Jahre aufbaut als auch neue Horizonte eröffnet», sagt Generaldirektor Stephan Gehmacher. Wie ist es als neuer Chefdirigent in Luxemburg anzukommen? Bei unserem Gespräch in seiner Garderobe erzählt Martin Rajna uns, warum das erste Zusammentreffen mit dem Orchester für ihn «Liebe auf den ersten Blick» war, wie er auf dem Podium unabhängig von seiner Stimmung seine Linie bewahrt und wie er beim Schwimmen oder mit einem guten Buch abschaltet.

«Es war wie im Märchen.»

Die Suche nach einem neuen Chefdirigenten ist ein faszinierender und zugleich komplexer Prozess, der sich größtenteils hinter den Kulissen abspielt. Nach zehn prägenden Jahren mit Gustavo Gimeno ist für das Luxembourg Philharmonic die Zeit gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Schon Jahre zuvor hatte das Auswahlkomitee damit begonnen, die internationale Klassikwelt aufmerksam zu beobachten und vielversprechende Talente im Blick zu behalten.

Schließlich machte ein junger Dirigent aus Ungarn international von sich reden – nicht nur aufgrund seines musikalischen Könnens, sondern auch wegen der rasanten Entwicklung seiner Karriere. Mit gerade einmal 27 Jahren wurde Martin Rajna zum Ersten Kapellmeister der Ungarischen Staatsoper in Budapest ernannt – ein Meilenstein, den in diesem Alter vor ihm nur Gustav Mahler erreicht hatte. Die entsprechenden Kritiken fanden ihren Weg auf den Schreibtisch von Matthew Studdert-Kennedy, Leiter der Artistic Planning Division der Philharmonie Luxembourg, und schon bald nahm alles seinen Lauf.

Im Herbst 2024 wurde Martin Rajna erstmals als Gastdirigent eingeladen. Die darauffolgende Begegnung war, wie beide Seiten berichten, von Anfang an von einer besonderen Energie geprägt. «Es war Liebe auf den ersten Blick, eine unmittelbare Verbindung zum Orchester, ein echtes Verständnis füreinander», erinnert er sich. Auch Matthew Studdert-Kennedy zeigt sich begeistert: «Große Dirigenten zeichnen sich durch ihre außergewöhnliche Musikalität und ihre unverwechselbare Persönlichkeit aus. Bei seiner ersten Zusammenarbeit mit dem Luxembourg Philharmonic bewies Martin Rajna beides auf eindrucksvolle Weise und fand sofort einen Zugang zu den Musikerinnen und Musikern.»

Die Richtung wurde demokratisch vorgegeben. Nach jedem Gastauftritt geben die Orchestermitglieder in einer internen Umfrage ihr Feedback. Patrick Coljon, Head of Orchestra, erinnert sich: «Die Rückmeldungen waren äußerst positiv. Viele betonten, dass wir schnell handeln müssten, um ihn zu gewinnen. Was ich bei ihm erlebt habe, habe ich bei einem Chefdirigenten noch nie zuvor gesehen. Er arbeitet mit einer unglaublichen Präzision und einer großen Liebe zur Musik.» Matthew Studdert-Kennedy ergänzt: «Die Verbindung, die sich entwickelt hatte, war so stark und das Potenzial so deutlich erkennbar, dass wir uns schnell dazu entschlossen, diesen gemeinsamen Weg fortzusetzen.»

Für Martin Rajna selbst gleicht diese Entwicklung «einem Märchen». Nie hätte er erwartet, dass ein Gastauftritt zu einer solchen Entwicklung führen würde. Die Einladung «kam zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben», und aus einem einzigen Konzertengagement ist etwas viel Größeres entstanden. Das Luxembourg Philharmonic befindet sich für Martin Rajna auf einem bemerkenswerten Wachstumskurs: «Es ist meine erste Einladung zu einem Spitzenorchester und eine Chance, mich zu beweisen.»

«Es ist ein Abenteuer […] man ist allein mit seinen Gedanken und Emotionen»

Ein klassisches Konzert kann eine emotionale Reise sein, und Martin Rajna möchte das Publikum auf eine Entdeckungsreise mitnehmen. Er vergleicht sie gerne mit «einem Abenteuer in den Bergen oder im Wald. Es kann gefährlich sein, zum Nachdenken anregen – man ist allein mit seinen Gedanken und Emotionen.» Eine solche Reise lässt Raum zum Atmen, zum Umherstreifen und dazu, verschiedene Gefühle zuzulassen, denen man unterwegs begegnet.

Entscheidend ist für ihn, dass Musik die Zuhörerinnen und Zuhörer einbindet: «Man muss aktiv sein, man kann nicht passiv zuhören.» In Martin Rajnas Verständnis ist ein Konzert kein Ereignis, das man lediglich erlebt – es ist eine gemeinsame Erfahrung, an der man vom eigenen Sitzplatz aus beteiligt ist. Der Dirigent und die Musiker*innen spüren die Energie im Saal, die entsteht, wenn das Publikum präsent und gebannt ist.

Martin Rajna ist ein Dirigent, der bei seiner Arbeit stark auf sein Empfinden vertraut. Musik zu dirigieren, die ihm besonders am Herzen liegt, fällt ihm leicht und erfüllt ihn. Opern wie Giuseppe Verdis Aida oder Richard Strauss’ Salome haben ihn nachhaltig geprägt.

Wir sind Menschen – mit unseren Eigenheiten und Stimmungen

Ein großes Orchester zu dirigieren, erfordert nicht nur musikalisches Können, sondern auch ein feines Gespür für seine Mitmenschen. Denn trotz der Geschlossenheit, die ein herausragendes Ensemble ausstrahlt, bleibt ein Orchester eine Gemeinschaft von Individuen – jede und jeder mit einem anderen Instrument, einer eigenen Persönlichkeit und einer ganz eigenen Tagesform. Martin Rajna nimmt all das wahr. Schon beim ersten Ton einer Probe spürt er, ob das Orchester die richtige Stimmung gefunden hat, ob die Musikerinnen und Musiker sich sicher fühlen und wirklich präsent sind. «Das spürt man sofort», sagt er. Er selbst beschreibt sich als zutiefst empathischen Menschen – und diese Eigenschaft zeigt sich auch auf dem Dirigierpodium. Mit großer Wertschätzung spricht er von der Herzlichkeit, die ihm von seinen Kolleginnen und Kollegen, den Musikerinnen und Musikern sowie der Leitung der Philharmonie entgegengebracht wurde.

Doch wie schafft Martin Rajna es, sich unabhängig von seiner eigenen Stimmung auf die Musik einzulassen? «Unsere Stimmung hängt von unserem Alltag ab – von dem Tag, den wir haben, von persönlichen Herausforderungen, von Trauer, von allem Möglichen. Aber ich glaube, es gehört auch die Fähigkeit dazu, der Musik zu dienen und dabei eine gewisse Konstanz zu wahren.» Unterschiedliche Persönlichkeiten finden sich in jeder Gruppe. «Das findet man überall, aber es steht einer guten Aufführung nicht im Weg.» Was alle verbindet, ist die gemeinsame Hingabe an die Musik.

Ein begeisterter Schwimmer und Bücherwurm

Neben der Musik liebt Martin Rajna das Lesen. Über das Jahr hinweg sammelt er Bücher, die er sich für den Sommer aufbewahrt. Dann findet er endlich die Zeit, sich ihnen in Ruhe zu widmen. Doch in Wahrheit verschwindet der Stapel nur selten vollständig. Einige hartnäckige Exemplare bleiben unten liegen und bekommen im folgenden Jahr Gesellschaft von einem neuen Stapel. Ein Kreislauf, den er gelassen hinnimmt. Ein Gefühl, das viele Leserinnen und Leser kennen dürften!

Außerdem ist er Frühaufsteher und leidenschaftlicher Schwimmer – aber nicht der entspannte Freizeitschwimmer, sondern einer, der die Stoppuhr im Blick hat. Vielleicht begegnet man ihm eines Tages im benachbarten Schwimmbad Coque, wo er seine Bahnen zieht, um den Kopf freizubekommen und die Intensität seines Arbeitsalltags abzuschütteln. Zusammen mit seiner Liebe zur Natur und seiner Begeisterung für den Zoo ergibt sich das Bild eines Menschen, der Kraft daraus schöpft, sich ganz auf seine Umgebung einzulassen – ob bei einem Waldspaziergang oder einem ruhigen Nachmittag mit einem Buch aus seinem Sommerstapel.

Er spricht fließend Ungarisch, Deutsch, Englisch und Italienisch und hat bereits begonnen, Französisch zu lernen – eine Entscheidung, die er nach seinen ersten Besuchen in Luxemburg traf, als ihm bewusst wurde, dass die französische Sprache hier weniger eine Option als vielmehr eine Notwendigkeit ist. Für Martin Rajna wird sich Luxemburg hoffentlich schon bald wie ein Zuhause anfühlen.

Bei seinem ersten Konzert als Chefdirigent stehen neben György Kurtágs Stele noch Gustav Mahlers Symphonie N° 1 «Titan» sowie Béla Bartóks Violinkonzert N° 1 auf dem Programm. Darüber hinaus widmet er sich in der kommenden Saison drei Symphonien Beethovens, mit denen an den 200. Todestag des Komponisten erinnert wird. Genügend Gelegenheiten, ihn an seiner neuen Wirkungsstätte willkommen zu heißen!

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