Geschichten
10 Fragen an…
Catherine Gaul – Senior Manager Orchestra and Touring
Geschichten
10 Fragen an…
Catherine Gaul – Senior Manager Orchestra and Touring
Erinnerst du dich an das erste Konzert, das du in der Philharmonie besucht hast?
Das ist lange her… Wenn ich so darüber nachdenke, erinnere ich mich gar nicht wirklich an mein erstes Konzert, sondern eher an das erste Mal, als ich im Grand Auditorium eine Probe gehört habe. Ich kam gerade aus der Filmwelt. Das Orchester spielte Pirates of the Caribbean in einem Pops-Konzert. Ich hatte Tränen in den Augen, so berührend war das. Wenn ich heute daran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Es hat so starke Emotionen ausgelöst.
Gibt es eine Ecke in der Philharmonie, die du besonders magst?
Backstage. Der Ort, an dem sich alle vorbereiten, wo die Anspannung kurz vor dem Auftritt des Orchesters und der Künstlerinnen und Künstler deutlich spürbar ist. Es ist ein Privileg, Teil einer Situation zu sein, die nur wenige Menschen zu sehen bekommen.
Welches Projekt liegt dir derzeit besonders am Herzen?
Ich habe große Freude daran, die Produktion des Open-Air-Konzerts am Saisonende auf der Kinnekswiss zu begleiten. Dieser Moment hat jedes Jahr etwas Magisches. Das Sommerkonzert mit unserem neuen Chefdirigenten Martin Rajna [am 04.07. war] etwas Besonderes.
Worüber wären Menschen erstaunt, die noch nie mit einem Orchester auf Tournee waren?
Ich glaube, man kann erst verstehen, wie es ist, mit einem Orchester zu reisen, wenn man es selbst erlebt hat. Es ist eine fesselnde und bereichernde Erfahrung, aber auch sehr anstrengend. Man kommt nicht zur Ruhe. Es gibt immer etwas zu erledigen, ob groß oder klein. Man steht ständig mitten im Geschehen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn alles reibungslos läuft und das Orchester und die Musikerinnen und Musiker zufrieden sind. Wenn man dann noch ein bisschen entspannen kann, ist das das Tüpfelchen auf dem i. Ich denke, das Publikum wäre überrascht, wie viel Logistik unsere Teams im Hintergrund leisten.

Wie gelingt die Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen Persönlichkeiten im Orchester?
Nach vielen Jahren der Zusammenarbeit sind wir gut eingespielt.
Was hat dich und deine Kollegen zuletzt im Büro zum Lachen gebracht?
Im Büro lachen wir ziemlich viel. Aber das letzte Mal, dass wir alle in richtig unkontrolliertes Lachen ausgebrochen sind, war erst vor Kurzem. Eine Kollegin meinte, sie würde, wenn ein Einbrecher in ihr Haus käme, einfach mit voller Leidenschaft Marie von Johnny Hallyday singen – als stünde sie auf der Bühne. Das würde ihn bestimmt verschrecken, oder? Die Live-Version könnt ihr hier natürlich nicht hören, aber ich bin sicher, ihr könnt euch vorstellen, wie es klingt. Und vielleicht bringt es euch ja auch zum Lachen.
Kannst du uns deinen Lieblingsort in deiner liebsten Tourneestadt verraten?
Oh, da muss ich dich leider enttäuschen, aber während der Tourneen habe ich kaum Zeit, die Städte zu besuchen, in denen wir sind. Wir finden immer nette kleine Bars und Restaurants, in denen wir nach den Konzerten noch ein paar gemeinsame Momente mit den Musikerinnen und Musikern sowie den Kolleginnen und Kollegen verbringen. Besonders schöne Erinnerungen habe ich an Moskau, Athen, Udine, Caen und San Sebastián.
Welche Musik motiviert dich bei der Arbeit oder auf Tournee?
Im Büro haben wir einen Audio-/Video-Stream aus dem Probesaal. Dadurch läuft bei uns im Hintergrund eigentlich immer Orchestermusik aus den Proben. Ich überlade das nicht zusätzlich mit anderer Musik. Für Aufgaben, die maximale Konzentration erfordern, brauche ich allerdings absolute Stille. Auf Tour, wenn ich in meine eigene kleine Welt eintauchen möchte, höre ich meine persönlichen Lieblingstracks. Kürzlich hatte ich auf unserer Reise nach Wien das Album The Campfire Headphase von Boards of Canada in Dauerschleife – sehr angenehm, um entspannt durch die Stadt zu schlendern.
Was machst du gerne am Wochenende / an einem freien Tag?
Im Moment gibt meine kleine Tochter den Takt für unsere Wochenenden und freien Tage zu Hause vor. Auf dem Programm stehen Fahrradtouren, Ausflüge an die belgische Küste, endloses Spielen, Besuche auf Bauernhöfen und in Tierparks, kindgerechte Museen und Expeditionen zu Spielplätzen… sagen wir so: Das Wort «Ruhe» bleibt eher theoretisch! Aber diese Momente sind wunderbar und laden meine Batterien wieder auf. Wenn das Ganze einen Soundtrack hätte, klänge er eher nach Denver, der letzte Dinosaurier als nach Mahler 2!
Hast du einen Lieblingsgegenstand auf deinem Schreibtisch?
Einen Lieblingsgegenstand habe ich nicht wirklich. Der nützlichste Gegenstand ist auf jeden Fall mein Handy. Aber das Erfreulichste in meinem Büro sind meine Kollegen
Das Interview wurde im April 2026 in französischer Sprache via E-Mail geführt.



