Nach dem Echoes of India-Zyklus der vergangenen Saison legt die Philharmonie 2026/27 mit Atlas nach. Zehn Konzerte führen in Regionen südlich des Mittelmeers.
«Atlas ist sowohl als geographischer Bezugspunkt als auch als poetisches Konzept zu verstehen», erklärt Francisco Sassetti, Senior Artistic Planning Manager und federführend für diese «Reise». Die Reihe beschränkt sich nicht auf die traditionelle Musik aus dem nordafrikanischen Gebirgsmassiv – auch wenn einige der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler für dieses Erbe stehen –, sondern auf ein weitläufigeres Gebiet, das Algerien, Tunesien und Marokko umfasst. Drei Länder, die sich musikalisch «wechselseitig bereichern», wie Sassetti betont, und die durch eine gemeinsame Geschichte verbunden sind, geprägt unter anderem vom Karthagischen Reich, der islamisch-arabischen Eroberung und der französischen Kolonisation.
Unter den ausgewählten Persönlichkeiten, die diesen fruchtbaren Kulturraum verkörpern, wird das Publikum bekannte Gesichter wie die Pop-Rock-Ikone Souad Massi wiedersehen. Auch der tunesische Oud-Spieler Anouar Brahem kehrt auf die Bühne des Grand Auditorium zurück, diesmal mit einem Projekt für Streicher und Klavier. Für sein Philharmonie-Debüt wird der Saxophonist Yacine Boularès von zwei dem luxemburgischen Publikum bestens vertrauten Musikern begleitet: Vincent Ségal und Nasheet Waits. Sodann steht der junge Pianist Wajdi Riahi an der Spitze eines Trios, das Jazz und arabische Tradition verbindet, und in der Salle de Musique de Chambre begeistern wird, gefolgt von einem weiteren genreübergreifenden Projekt: Tamazight Blues von Cherifa Kersit und Justin Adams.
Ein unverwechselbarer Geist weht mit der Anwesenheit von Houria Aïchi, Grande Dame des Gesangs der algerischen Berge, vom Atlas her nach Luxemburg. In derselben Stimmung, aber mit Jazzklängen, widmet Dhafer Youssef seiner Ehefrau Shiraz eine berührende Hommage, während die Marokkaner Oum und Walid Ben Selim Sinnlichkeit und sufistische Spiritualität lebendig werden lassen. Schon der Dichter Rumi wusste, dass die Welt ohne Liebe sinnlos wäre – der Atlas-Zyklus erinnert uns daran, dass sie es ebenso ohne Musik wäre.
Eva Klein









