Bei seinem Antrittskonzert als Chefdirigent des Luxembourg Philharmonic präsentiert Martin Rajna neben Gustav Mahlers Symphonie N° 1 gleich zwei Werke aus seiner musikalischen Heimat Ungarn. An die hundert Musikerinnen und Musiker werden ihn und das Publikum mit Stele von György Kurtág, der in der letzten Saison seinen hundertsten Geburtstag feierte, willkommen heißen und so einen Vorgeschmack auf jenes Repertoire geben, das Rajna besonders am Herzen liegt.
Als Absolvent der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest steht der junge Dirigent in einer lebendigen Tradition großer Namen wie Béla Bartók oder György Ligeti. Studenten György Kurtágs waren nicht nur seine Lehrer, er selbst arbeitete schon mit dem «Meister» zusammen und konnte als Stipendiat der Péter Eötvös Contemporary Music Foundation von dem Wissen eines weiteren ungarischen Dirigenten und Komponisten profitieren, der sich weltweit einen Namen machte. Neben dem Antrittskonzert bildet die Aufführung von Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta im Januar einen Höhepunkt. Martin Rajna hält die selten aufgeführte Komposition für «eines der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts» und ist neugierig darauf, wie der französische Klang des Luxembourg Philharmonic in die Interpretation einfließen wird.
Abseits der explizit ungarischen Werke bietet sich die Gelegenheit, die Verbindungen altbekannter Komponisten nach Ungarn genauer unter die Lupe zu nehmen. Schließlich war Joseph Haydn dem Hofe Esterházy mehrere Jahrzehnte lang verbunden, während Johannes Brahms seiner Faszination für die ungarische Musik in den Ungarischen Tänzen Ausdruck verlieh. Ludwig van Beethoven pflegte enge Kontakte zur ungarischen Adelsfamilie Brunsvik und Gustav Mahler dirigierte als Musikdirektor der Ungarischen Staatsoper Aufführungen von Richard Wagners Rheingold und Walküre auf Ungarisch – einer Sprache, die als eine der schwierigsten der Welt gilt. Wie schön, dass Martin Rajna diese Tradition vom ersten Takt an in der Philharmonie authentisch erlebbar macht!
Daniela Zora Marxen




